"Grödig soll wieder zu den besten Vereinen Salzburgs gehören". Warum Christian Haas nicht Präsident von Austria Salzburg wird

Salzburger Liga
Christian Haas führte den SV Grödig in die Bundesliga und in den Europacup. Eine Rückkehr in den Profifußball ist für ihn kein Thema mehr. Trotzdem verfolgt der Unternehmer mit seinen Grödigern noch ehrgeizige Ziele.
Wer Christian Haas auf dem Schrottplatz seiner Firma in Siezenheim erlebt, merkt gleich: Fad ist dem ehemaligen Bundesliga Manager auch ohne Profifußball nicht. Der 47-Jährige, der seinen Heimatverein Grödig von der 1. Klasse in Österreichs Oberhaus und die Europa League führte, ist als Unternehmer eingespannt und erfolgreich. Beim 2016 in den Amateursport zurückgekehrten SV Grödig spielt er dennoch eine Schlüsselrolle. Als "Mädchen für alles", wie der Vereinsboss im SN Interview sagt. Die Leidenschaft sei früher größer gewesen. Weg ist sie nicht.
S/N: Sie haben davon geträumt, dass irgendwann der Rapid-Bus in Grödig Halt macht - und es kam so. Von welchem Bus träumen Sie noch?
Christian Haas: Von keinem. Ich träume eher von meinen Lastwägen. Man muss realistisch sein. Es war eine super Zeit mit drei Jahren in der Bundesliga. Leider sind wir abgestiegen und dann haben wir uns ja nicht gern in die Regionalliga zurückgezogen, sondern es war wirtschaftlich nicht mehr leistbar. Hätten wir damals einen Schnitt von 3000 Zuschauern geschafft, wären wir vielleicht heute noch oben. Aber es wurde bei uns nicht so angenommen. Und wenn du die Zuschauer nicht hast, ist die Bundesliga extrem schwierig zu finanzieren. Wir waren mit Sponsoren gut aufgestellt und haben von Spielerverkäufen gelebt. Wir hatten ein Bundesliga-Budget von rund fünf Millionen Euro. Heute hat wohl keiner unter sieben Millionen Euro.
S/N: Jetzt ist Grödig Zweiter in der viertklassigen Salzburger Liga. Reizt es Sie noch einmal, richtig anzugreifen?
Christian Haas: Da müsste ich andere an der Seite haben, die finanziell helfen, denn ich kann es nicht allein leisten. Am Ende des Tages geht es immer ums Geld. Ich kann nicht das Ziel Bundesliga ausrufen. Wollen? Ja. Aber es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, Betriebe zu finden, die investieren. Dazu kommt, dass ich persönlich auch nicht mehr die Zeit habe wie früher. Ich bin von 6 bis 18 Uhr in der Firma, habe eine Familie mit kleiner Tochter. Da bin ich am Abend froh, zu Hause zu sein.
S/N: Ist die Rückkehr in die Regionalliga, in der künftig oberösterreichische Gegner warten könnten, ein Ziel?
Christian Haas: Ja, Grödig sollte auch mit dem jetzigen Budget wieder zu den besten Vereinen Salzburgs gehören.
S/N: Salzburgs Vereine debattieren hitzig über die Regionalligareform, die eine Liga mit Oberösterreich bringen könnte. Wie stehen Sie dazu?
Christian Haas: Das wäre etwas anderes und interessant. Oberösterreichische Vereine sind finanziell besser aufgestellt, aber in Salzburg wird auch gut gearbeitet. Ich hätte da keine Angst.
S/N: Austria Salzburg sucht um die Lizenz für die 2. Bundesliga an. Ist es sinnvoll, mit einem angepeilten Budget von 1,5 Millionen Euro aufzusteigen, ohne den Durchmarsch nach ganz oben vor Augen zu haben?
Christian Haas: Für die Austria schon. Denn im Gegensatz zu uns hätte sie wohl immer an die 1500 Zuschauer. Die Austria hat das Potenzial und sollte aufsteigen. Sie hat in den vergangenen Jahren gut gearbeitet. Ich gönne es ihr. Es wäre auch gut für den Salzburger Fußball, neben Red Bull Salzburg und dem FC Liefering noch einen Verein oben zu haben.
S/N: Reichen 1,5 Millionen Euro?
Christian Haas: Damit geht es beinhart gegen den Abstieg. Um halbwegs eine Rolle zu spielen, brauchst du mindestens zwei Millionen. Und um in die 1. Bundesliga aufzusteigen, wohl das Doppelte. Das ist extrem schwierig aufzustellen. Ich halte Claus Salzmann für einen cleveren Präsidenten, der sich auf kein Risiko einlässt.
S/N: Es gab immer wieder Gerüchte, dass Sie als künftiger Austria-Präsident im Gespräch sind. Was ist dran?
Christian Haas: Von Austria Salzburg hat mit mir niemand gesprochen.
S/N: Reizt Sie das Amt als ehemals glühender Fan der alten Austria?
Christian Haas: Nein. Denn wenn, dann richtig. Und die Zeit dafür habe ich nicht und will ich mir nicht nehmen.
S/N: Welche Rolle spielt Fußball in fünf Jahren in Ihrem Leben?
Christian Haas: Eines ist klar: Ich werde Grödig immer helfen und die Spiele sehen.
S/N: Viele Unterhausvereine kämpfen mit wegbrechenden Sponsoreinnahmen. Sie kennen die Wirtschaft und den Fußball. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Christian Haas: Es ist auf alle Fälle schwierig. Schuld sind aber wir Vereine und nicht die Spieler. Vielen Kickern geht es nur ums Geld. Aber wir zahlen es auch. Wir müssten alle gemeinsam rigoros reduzieren.
S/N: Warum steckt ein Unternehmer wie Sie seit Jahren viel Geld in einen Verein?
Christian Haas: Es ist eine Herzensangelegenheit. Ich bin ein Grödiger, habe hier mit sechs Jahren zum Fußballspielen angefangen. Ich würde mich freuen, wenn Jüngere übernehmen. Aber wer tut sich das heute noch an? Diese Vereinsmeier gibt es kaum noch.
Bericht: Salzburger Nachrichten